Wie gelingt eine SAP S/4HANA Einführung in 5 Monaten?

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Stefan Weiss
Stefan Weiss
Sales Director, Mitglied der Geschäftsleitung, TeamWork Schweiz AG · Bern
Zuletzt geprüft: 6. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

Der Wechsel von einem stark individualisierten SAP ECC System auf SAP Cloud ERP gelang in 5 Monaten, weil das Projekt konsequent am Standard ausgerichtet wurde. Entscheidend waren frühe Fit-to-Standard-Workshops, saubere Datenvorbereitung, ein früh etablierter Change-Request-Prozess und die enge Begleitung von Keyusern und Endusern. Das Ergebnis waren rund 20 Prozent effizientere administrative Prozesse und eine belastbare Basis für weitere Entwicklung.

Was uns in diesem Projekt besonders aufgefallen ist: Der grösste Hebel lag nicht in einer langen Vorprojektphase, sondern in der sauberen Umsetzung. Wer bei einer SAP Cloud ERP Einführung zu viel Zeit in Pflichtenhefte steckt und zu wenig in echte Projektarbeit, verliert Tempo ohne zusätzlichen Nutzen. Genau hier war die Haltung des Kunden und von TeamWork Schweiz entscheidend.

Ausgangslage: Warum musste das SAP ECC System ersetzt werden?

Der Kunde arbeitete mit einem über Jahre stark individualisierten SAP ECC System, das End of Life war. Für ein Schweizer KMU mit gewachsener Landschaft bedeutete das: Die bestehende Lösung liess sich nicht einfach weiterführen, sondern musste strategisch neu aufgesetzt werden. Die Ausgangslage war typisch für Unternehmen, die lange auf Anpassungen gesetzt haben und nun auf einen klaren Standard umstellen müssen.

Die Region Bern und der Projektzeitraum von Januar bis Juli 2025 zeigen, wie eng Geschwindigkeit und Umsetzungsdisziplin in solchen Vorhaben zusammenhängen. Gerade bei einem ERP-Wechsel dieser Art reicht Technik allein nicht aus, weil Prozesse, Rollen und Daten gleichzeitig neu geordnet werden müssen.

Welche Lösung wurde gewählt und weshalb?

Gewählt wurde SAP Cloud ERP Public, vormals SAP S/4HANA Cloud Public Edition. Für TeamWork Schweiz war der zentrale Punkt nicht, möglichst viele alte Sonderfälle mitzunehmen, sondern die Lösung konsequent auf den Cloud-Standard auszurichten und nur dort anzupassen, wo es den klaren USP des Kunden stützte. Genau diese Fokussierung macht das Projekt für andere Unternehmen relevant.

Die Zeiten von riesigen, komplexen, teuren und nicht endenden SAP Projekten ist definitiv vorbei.
Stefan Weiss, Sales Director, TeamWork Schweiz AG
BausteinRolle im ProjektWarum er wichtig war
SAP Activate bzw. Grow FastVorgehensmodellGab dem Projekt Tempo und eine klare Sequenz
Digital Discovery AssessmentVorauswahl und SystemstartErsetzte das klassische Pflichtenheft durch einen fokussierten Prozessblick
Fit-to-Standard-WorkshopsFachliche KlärungHalf, Prozesse auf den Standard zu trimmen
CloudALMProjektsteuerungBündelte Dokumente, Releasemanagement und Umsetzung
Datenmigration und SchnittstellenkonzeptionTechnische VorbereitungSicherte den stabilen Übergang aus dem alten System
Vergleich der zentralen Projektbausteine

Wie lief die Umsetzung bei TeamWork Schweiz konkret ab?

Die Umsetzung folgte einem Standardvorgehen mit SAP Activate beziehungsweise Grow Fast, ergänzt durch das Digital Discovery Assessment. Das Starter-System stand ab Tag 1 zur Verfügung und half dabei, die Fit-to-Standard-Workshops nicht abstrakt, sondern direkt am System zu führen. Parallel dazu baute TeamWork Schweiz CloudALM auf, damit Projektmanagement, Dokumente und Releasemanagement zentral geführt werden konnten.

In unseren Projekten zeigt sich immer wieder, dass die eigentliche Hauptarbeit oft an anderer Stelle liegt als erwartet: im Change Management, in der frühen Datenmigration und in der Schulung der Keyuser und Enduser. Genau das bestätigte sich auch hier, und zwar umso stärker, weil die Keyuser wegen der guten Auftragslage weniger Zeit hatten als geplant.

  • Die Datenvorbereitung wurde früh geplant und lag klar beim Kunden, damit keine Engpässe erst kurz vor dem Go-live sichtbar wurden.
  • Die Schlüsselpersonen lernten das System früh kennen und wurden immer wieder ins Arbeiten mit der neuen Lösung eingebunden.
  • Der Change-Request-Prozess wurde von Anfang an etabliert und konsequent durchgezogen.
  • Historische Daten wurden nicht einfach mitgeschleppt, sondern über ein Archivsystem sauber gelöst.

Welche Daten und Prozesse wurden migriert?

Die Migration umfasste die LOB-Bereiche Finance, Sales, Manufacturing, Sourcing & Procurement, Supply Chain Management und IT Management. Dazu kamen 15'000 Materialstammsätze, 1'230 Geschäftspartner, 2'780 Stücklisten, 12'700 Einkaufsinfosätze, 12'500 Orderbücher und 60 laufende Fertigungsaufträge. Diese Breite zeigt, dass es sich nicht um einen kleinen Systemwechsel handelte, sondern um eine echte Plattformerneuerung.

5 MonateProjektlaufzeit von Januar bis Juli 2025
15'000Migrierte Materialstammsätze
1'230Migrierte Geschäftspartner
12'700Migrierte Einkaufsinfosätze
60Migrierte laufende Fertigungsaufträge

TeamWork Schweiz AG

Welche Resultate brachte die SAP S/4HANA-Migration?

Das Resultat war nicht nur ein neues System, sondern spürbar mehr Ordnung im Alltag. Die administrativen Prozesse wurden um rund 20 Prozent effizienter, der Einkauf erhielt klarere Strukturen, die Auftragsabwicklung wurde schneller und besser nachvollziehbar, und die Finanzabteilung gewann an Übersicht und Verlässlichkeit. Gleichzeitig stieg die Akzeptanz, weil die Oberfläche für die Mitarbeitenden einfacher nutzbar war.

BT-Hydraulik ist mit SAP Cloud ERP frischer aufgestellt, wettbewerbsfähiger und hat die Basis gelegt, sich weiterzuentwickeln, technologisch und als Unternehmen. Entgegen der häufigen Annahme, dass eine Cloud-Migration vor allem Komplexität erzeugt, zeigte sich hier das Gegenteil: Mit Standardfokus und konsequenter Begleitung wurde das Projekt handhabbar.

Was ist das wichtigste Learning für Schweizer KMU?

Das Projekt zeigt, dass eine ERP-Einführung kein reines IT-Vorhaben ist, sondern ein Business-Transformationsprojekt. Wer nur die Technik betrachtet, unterschätzt die Umstellung in Organisation, Verantwortung und Arbeitsweise. Für Schweizer KMU mit gewachsener SAP-Landschaft ist deshalb weniger das perfekte Vorprojekt entscheidend, sondern die Fähigkeit, früh zu fokussieren und sauber zu steuern.

Aus unserer Praxis nehmen wir vor allem drei Punkte mit: genügend Zeit für Fit-to-Standard-Workshops einplanen, die Mehrwerte des Unternehmens klar priorisieren und Business-Verantwortliche früh ins Projekt holen. Wenn diese Grundlagen stimmen, kann auch ein Wechsel von SAP ECC auf SAP Cloud ERP in kurzer Zeit gelingen.

Häufige Fragen

Warum war ein klassisches Pflichtenheft hier nicht der beste Start?
Weil das Projekt von Anfang an auf Umsetzungsgeschwindigkeit und Standardnähe ausgelegt war. Ein langes Pflichtenheft hätte in diesem Fall eher Zeit gebunden, ohne den fachlichen Mehrwert zu vergrössern. Wichtiger war, die relevanten Prozesse früh am System zu prüfen und Entscheidungen rasch zu treffen.
Was war bei der Datenmigration am anspruchsvollsten?
Die Menge allein war nicht der einzige Punkt, sondern die saubere Vorbereitung der Daten und die Frage, was historisch ins neue System gehört und was archiviert wird. Gerade bei gewachsenen ERP-Landschaften ist diese Abgrenzung oft anspruchsvoller als die technische Migration selbst. Darum wurde das Archivsystem parallel mitgeplant.
Wie stark war die Belastung für die Keyuser im Projekt?
Die Keyuser hatten während der Projektlaufzeit weniger Zeit als geplant, weil das operative Geschäft gut lief. Das ist in solchen Vorhaben ein realistisches Risiko, denn Tagesgeschäft und ERP-Einführung konkurrieren direkt um Aufmerksamkeit. Deshalb ist frühe Einbindung besonders wichtig.
Für wen eignet sich SAP Cloud ERP besonders?
Besonders gut passt es für KMU, die schlanke Prozesse, einen klaren Standard und eine schnelle Umsetzung suchen. Wer viele Spezialfälle behalten will, muss genau prüfen, ob das Zielbild dazu passt. Wer aber modernisieren und gleichzeitig Komplexität reduzieren will, findet hier eine gute Ausgangslage.

Für TeamWork Schweiz war dieses Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie schnell ein belastbarer Wechsel möglich ist, wenn Fokus und Disziplin zusammenkommen. Für Unternehmen mit alternder SAP ECC Landschaft heisst das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die eigene ERP-Zukunft strategisch zu ordnen und nicht weiter aufzuschieben.

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